Gedankenmatsche | Irland 2016/17

10:00



Hallo zusammen,

Ich melde mich wiedermal mit einem Post zurück. Der Post ist auch genau das was der Titel verspricht, Gedankenmatsche! Also freut euch auf einen Post, mit den verwirrenden Gedanken die mich in letzter Zeit so verfolgen, ich hoffe es gefällt euch.

"You may say that I'm a dreamer, but I'm not the only one" - John Lennon

Mein Auslandsjahr ist offiziell fast vorbei. In weniger als einem Monat werden meine Eltern hierhin kommen und nach dem wir 5 Tage durch Irland reisen, geht es nach Hause. Zu Hause; Der Gedanke nach Hause zu kommen ist beängstigend, auf eine beeindruckend schöne Weise beängstigend. Meine Kunstlehrerin hat mich letzte Woche gefragt,ob ich mich auf Deutschland freue, ohne nur eine Sekunde zu zögern habe ich ja gesagt. Ich freue mich auf Deutschland, ich freue mich auf meine Freunde, meine Familie, meine Tiere; Aber am meisten freue ich mich auf Routine, den die fehlt mir hier. Diese Sicherheit, ja schon irgendwie Langeweile, in einem Alltag, der gleich aussieht. Klar, ich habe auch hier ein Alltag, aber planbar ist der irgendwie nie und gleich auch nicht. Manche die das lesen, werden sich wundern, weil ich wahrscheinlich der umgeplanteste, un-routinierteste mensch bin , den sie kennen. Ich bin gar nicht so schlimm, lebt mal nen halbes Jahr in Irland, den die sind in Routine, Pünktlichkeit und planen echt grottig. Klar, ich bin gerne spontan irgendwo und ich reise gerne, aber irgendwo muss ich diese Sicherheit haben, wisst ihr diese paar Routinepunkte, die irgendwie immer gleich sind, in Deutschland ist das für mich nicht nur Schule sondern so kleine Sachen, wie Mittwoch und Freitag Sport, Dienstags Gruppenstunde und das gemeinsame Frühstück am Wochenende. Diese kleine Sachen, die fehlen hier. Ich habe hier eine Weile Volleyball gespielt, aber das findet aus irgendeinem Grund nicht mehr statt, sowas wie KjG gibt es hier nicht (die Scouts finde ich ehrlich ein bisschen komisch) und Frühstücken tut jeder dann, wenn er aufwacht. Auch diese Sicherheit "Sonntag ist jeder Zuhause" gibt es hier nicht, den Sonntag hier ist fast ein normaler Arbeitstag. Sogar Schule ist immer anders, ersten weil einfach ständig irgendwo was anderes läuft und dadurch das ich im TY bin, sind auch ständig irgendwelche Ausflüge.

Ich möchte, um Gotteswillen, nichts davon hier missen. Das TY hat mir erst richtig ermögicht, die Zeit zuhaben um Irland nebenbei zu erforschen und das Schuljahr ist echt cool, aber routine-los. Allgemein alles was meinen Alltag so "routine-los" macht, macht ihn so irisch und zeigt mir meistens neue Dinge. Den wenn du auf einmal in Schuluniform spontan irgendwo hin musst kann das zwar echt blöd sein, aber wenn das irgendwo, die wunderschöne Kuhfarm ist, wo deine Gastmutter aufgewachsen ist, dann man macht das den Schuluniform punkt wieder gut.

"Hope when you take that jump, you don't fear the fall" -OneRepublic

Wo ist die Zeit hin? Sorry für den echt guten Übergang, aber wie gesagt mein Kopf ist matsche. Es fühlt sich an wie gestern, dass ich hier angekommen bin und niemanden kannte, anderseits fühlt es sich an als ob ich seit Jahren hier lebe. Ich gehe durch den Ort, und im normalfall treffe ich immer wen den ich irgendwoher kenne und das ist irgendwo total schön. Es ist beeindruckend, wie schnell man sich ein neues Leben aufbaut, wie schnell man menschen kennen lernt und wie schnell man enge Freundschaften knüpfen kann. Denn auch die Freundschaften, die ich hier knüpfen durfte, sind nicht so als ob man erst 5 Monate befreundet ist. Alles geht irgendwie total schnell rum, man zwinkert und schwups ist die nächste Woche rum und man hat nur noch 3 Wochenenden mit seinen Freunden und Dann?! Dann wird von einem erwartet, dass man dieses Leben, dass so anders ist als das was man in Deutschland hatte, einfach wegschmeißt, vermutlich für immer. Dieses andere Leben kann man aber irgendwie nicht einfach so wegschmeißen, auch wenn man teile davon komplett  löschen möchte, es geht nicht. Dieses andere Leben wird immer teil von einem bleiben.

"Exchange isn't a year in your life, it's a life in a year"

Diese 5 Monate haben mich so so stark verändert und niemand kann es mir ansehen. Allein die Eigenständigkeit, denn, wenn es dir nicht gut geht, gehst du nicht mal eben zur besten Freundin, den die ist 30000 Km weg. Wenn dich jemand wie dreck behandelt und dir alles zuviel wird, sagst du nicht einfach eben deinen Eltern bescheid, denn die können das von 30000 Km in den meisten Fällen  nicht ändern. Wenn du krank bist, ruft Mama nicht eben beim Arzt an und du musst da nur hin und kannst ihm das entspannt auf deutsch erklären.
Das geht alles nicht! Auch wenn manches davon wie eine Kleinigkeit scheint, ist es echt hart, grade wenn sowas zum ersten mal passiert. Ich wusste beim zweiten mal, wie ich das beim Arzt mache, dass der Arzt mich versteht und sich einfach etwas mehr Zeit für mich nimmt, ich wusste beim zweiten Mal, dass das beste gegen Heimweh ist, einfach ne stunde rotz und wasser zuheulen, dann aufzustehen und weiterzuleben und ich weiß jetzt auch, dass manchmal Mama und Papa doch helfen können und ich sonst auch eine tolle Gruppe Menschen hintermir stehen habe, die mir hier helfen wollen und das es nichts schlimmes ist, nicht alles alleine zu können.  Aber das musste ich auch alles erst lernen und ich bin einfach so unendlich dankbar, hier gewesen zu sein und ich werde meinen letzen Monat so doll genießen.

“Why do you go away? So that you can come back. So that you can see the place you came from with new eyes and extra colors. And the people there see you differently, too. Coming back to where you started is not the same as never leaving.” ― Terry Pratchett
Bis dahin,
Anika

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